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Klindworth finisht zum siebten Mal auf Hawaii


By Karl-Heinz - Posted on 12 Oktober 2016

Harter Ironman für den Triathleten vom TV Scheeßel

Eigentlich besteht ein Triathlon aus drei Disziplinen: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Oft wird das Wechseln als Nummer vier genannt, für den Sittenser Jürgen Klindworth kam noch eine fünfte Disziplin hinzu. Wie kann er sich motivieren? Wegen Problemen mit seiner linken Wade hat er seit August auf das Lauftraining verzichtet um die Verletzung auszukurieren. Auf Hawaii meldete sich die Wade sogar beim normalen Gehen! Das geplante Lauftraining musste auf 0 km heruntergefahren werden. Aber Jürgen hatte Glück: seine ihn begleitende Freundin Steffi Roesch, ebenfalls Triathletin, fing seinen Frust auf und entwickelte sich von der Unterstützerin („ironman support crew“) zum Mental-Coach. Mehrere Behandlungen beim Physiotherapeuten inklusive „tapen“ sorgten ebenfalls dafür, dass er die Hoffnung nicht aufgab und ein kleines Wunder für möglich hielt. Auch das Testschwimmen über die Originalwettkampfstrecke von 3,86 km im Pazifik und die Radausfahrten gaben ihm Auftrieb.

Für über 2.300 Triathleten und ihre Unterstützer war die Nacht zum Sonnabend schon um 3 Uhr zu Ende. Denn es galt rechtzeitig die letzte Mahlzeit vor dem Start einzunehmen und natürlich pünktlich beim Check-In, dem Bodymarking und im Wasser zu sein. Die Kanone schickte die Profis um 6:25 auf die 226 km lange Reise. Eine halbe Stunde später wurde es ernst für die Altersklassenathleten. Während sich die meisten vor dem Startschuss rechts am Pier tummelten, um sich an den Reifen festzuhalten, wartete Klindworth links außen damit er ohne großes Gedränge schwimmen kann. Sein Vorhaben gelang ihm gut: er fand ein Beinpaar, in dessen Wasserschatten er kraftsparend bis zum Ausstieg schwimmen konnte. Nach 1:07:37 ging es in die erste Wechselzone. Um nichts zu riskieren ist er zum Rad nicht gelaufen, bei einer Langdistanz haben die Wechselzeiten eine geringere Bedeutung.
Auf der 180,2 km langen Radstrecke kamen ihm seine Gedanken in die Quere. Vermutlich hat sich die Situation auf sein Körpergefühl übertragen. Zumindest konnte er den gewohnten Druck nicht aufbauen und ist mit Bedacht gefahren. Er spürte die Spannung in der Wade und die Ungewissheit was ihm bei seiner Lieblingsdisziplin dem Laufen erwartet. Es lag also nicht nur am Wind und dem streng kontrollierten Windschattenfahrverbot, dass er 5:54:23 benötigte.
In der Mittagshitze zeigte das Thermometer bereits deutlich über 90°F im Schatten an. Das sind mehr als 30°C! Leider gibt es auf der Laufstrecke fast keinen Schatten und zusätzlich eine hohe Luftfeuchtigkeit. An jeder der vielen Verpflegungsstationen nehmen daher alle Sportler Schwämme und Getränke, um den Körper zu kühlen. Wie erging es nun dem Vertreter vom TV Scheeßel? An normales Laufen mit kräftigem Abdrücken war nicht zu denken, seine Strategie war daher kurze schnelle Schritte in einer hohen Frequenz und eher wie die Marathonläufer aus Ostasien über den Asphalt zu gleiten, um unnötige Stöße in die Wade zu vermeiden. Sein Anlauftempo drosselte er um möglichst weit durchhalten zu können. Seine Unterstützerin Steffi wartete ungeduldig etwa beim Kilometer 3. Über 15 Minuten später als geplant freute sie sich dann aber ihn laufen zu sehen. Im berühmt berüchtigten Energy Lab an der Halbmarathonmarke schmerzten zusätzlich die Knie. Ein Marathon erfordert einfach genügend Vorbereitung. Um seinen Körper zu schonen entschied sich Jürgen auf der zweiten Hälfte größere Abschnitte zu gehen. Natürlich war er mit seinem „Split“ von 4:48:14 und der Gesamtzeit 11:58:29 nicht zufrieden – vor 2 Jahren war 80 Minuten schneller. Nur dank seinem Coach hat er die Zeit vor dem Wettkampf überstanden und wurde im Ziel vom Sprecher Mike Reilly mit „You are an Ironman“ begrüßt. Jetzt schließen sich ein paar Tage Urlaub auf der schönen Insel an.


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