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Startkarte für Hawaii gelöst


By Karl-Heinz - Posted on 29 Juni 2016

Jürgen Klindworth qualifiziert sich in Klagenfurt

Bei den meisten Scheeßelern galt am Sonntag nach dem Aufstehen der erste Blick der aktuellen Wetterlage. Wie hoch ist der Wasserstand auf dem Eichenring? Gibt es wieder eine Hängepartie mit möglichen Öffnungszeiten wie am Sonnabend?

Nur die Triathleten vom TV Scheeßel interessierten sich für den Wetterbericht aus Klagenfurt und die Wassertemperaturen vom Wörthersee. Schon vor 7 Uhr begann für 2869 Triathleten beim Ironman Austria in Kärnten der Kampf um insgesamt 40 Startplätze für die Weltmeisterschaften auf Hawaii. Unter den 126 Startern in der Altersklasse M55 Jürgen Klindworth aus Sittensen. Während es für viele bei einem Ironman – also 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad und einem Marathon – darum geht das Ziel oder eine gute Zeit zu erreichen, hatte Jürgen Platz 1 oder 2 im Visier, denn für die 55- bis 59-jährigen wurden 2 „Slots“ vergeben. Beim Wechsel auf die Laufstrecke und spätestens nach 21 km war es also wichtig die aktuelle Platzierung zu erfahren. Zwar konnte bei 100 Triathleten die Altersklassenzugehörigkeit an der Startnummer erkannt werden, ausgerechnet bei den schnelleren Athleten aber nicht. Um das Gedränge beim Start im See zu vermeiden wurde ein sogenannter Rolling Start eingeführt. Alle fünf Sekunden werden 12 Athleten auf ihr IRONMAN -Abenteuer geschickt, daher dauerte es ungefähr 20 Minuten, bis alle Athleten gestartet sind. Eine Folge davon ist die fehlende Vergleichbarkeit mit den Konkurrenten. Etliche Mitglieder der Triathlonabteilung verbrachten in Scheeßel viele Stunden am Rechner, beobachten den Athleten Tracker und informierten per Smartphone Stephanie Roesch, den Außenposten in Österreich.

Wie war denn das Wetter in Österreich? Beim Start wurden alle Teilnehmer nass, aber das lag am Schwimmen im Wörthersee. Nach 1:03:57 stieg Klindworth an Position 7 aus dem Wasser. Das Training der vierten Disziplin – Wechsel – machte sich wieder bezahlt, denn er stieg als 6.ter auf sein Rennrad. Die erste von 2 Radrunden wurde auf einem trockenen Pflaster gefahren, leider setzte gegen 11:30 Uhr Regen ein und erschwerte den Radfahrern die Abfahrten nach den zähen Anstiegen am Faaker See und auf den Rupertiberg. Der Triathlet vom TV Scheeßel hatte zu diesem Zeitpunkt noch 60 km vor sich. Durch die stark abfallenden Temperaturen fror er und kühlte im nassen Triathlonanzug aus. Zum einen fehlte jetzt die Energie um die volle Leistung abrufen zu können zum anderen stieg die Sturzgefahr insbesondere in den nassen Kurven. Aber die Probleme hatten alle. Seine Strategie kein erhöhtes Risiko einzugehen und auf den mit 1.680 Höhenmetern gespickten Kurs nicht zu viele Körner zu lassen bewährte sich, schließlich müssen danach 2 Runden a 21,1 km gelaufen werden. Wie zu erwarten war verlor Jürgen auf dem Rad einige Plätze. Doch er teilte seine Kräfte besser ein als seine Mitstreiter und arbeitete sich mit einer konstanten Geschwindigkeit auf der zweiten Hälfte auf Platz 12 zurück. Leider verfiel der Tracker ausgerechnet in diesem wichtigen Zeitpunkt in einen über 2 Stunden andauernden Mittagsschlaf. Die letzte Information zeigte seine Zeit nach 151,7 km der Radstrecke an, dadurch konnten die Vereinskollegen keine Information über seine aktuelle Platzierung geben. Trotzdem startete er wie gewohnt hoch motiviert seinen Marathonlauf. Unsere lebende Webcam schaffte es durch den Einsatz ihres eigenen Carbon-Renners ihn an mehreren Stellen anzufeuern und zu motivieren, die fehlenden Angaben ließen ihn traurig antworten: „Oh schade!“. Jürgen hatte seinen Geschwindigkeitsregler auf 12 km/h eingestellt und sich dadurch auf dem ersten Drittel der Strecke auf Platz 8 vorgearbeitet, bis zur nächsten Zeitnahme bei km 17,1 überholte er nicht nur den letztjährigen M55 Sieger sondern 3 weitere Sportler. An der Halbmarathonmarke fehlten Klindworth noch 5 Minuten am Platz 2. Endlich konnte ihm mitgeteilt werden: „Gib Gas Jürgen Du bist schon auf 3“. Da er danach noch einmal alles aus sich herausholen wollte und konnte, ging die Rechnung auf. Das gemeinschaftliche Daumendrücken half: nach 28 km war nur noch Klaus Rohracker aus Burgkirchen vor ihm. Dessen Tempomat war noch einen Kilometer schneller eingestellt. Er lief den abschließenden Marathon in 3:14:10 und kam nach 9:45:02 auf Platz 208 der Männerwertung ins Ziel. Für Klindworth wurden nach einem Marathon in 3:30:25 die Gesamtzeit 10:06:46 gestoppt - über 8 Minuten vor dem Dritten. Der donnernde Applaus der mitfiebernden Triathleten vom TV Scheeßel für den schwer umkämpften zweiten Platz übertönte kurz nach 17 Uhr die Musik beim Hurricane.

So durfte er am Montag seine Kreditkarte um über 900 US$ für die Startgebühr auf Hawaii belasten. In 15 Wochen – am 8. Oktober 2016 – startet er zum siebten Mal bei den Ironman Weltmeisterschaften.

Marino Vanhoenacker aus Belgien gewann in 8:04:18 zum 8.ten Mal in Klagenfurt und Mirinda Carfrae aus Australien verbesserte trotz allgemein langsamer Schwimmleistungen den Streckenrekord um 1:25 auf 8:41:17.

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